Dr.
Marga Hubinek

Politikerin

* 1926   † 2016

 

Lebenslauf

Marga Hubinek wurde am 20. Mai 1926 in Wien geboren. Sie maturierte an einem Realgymnasium im Jahr 1944. Anschließend begann sie Germanistik und Geschichte an der Universität Wien zu studieren. Schon während ihres Studiums war sie in der österreichischen Hochschülerschaft politisch aktiv. 1949 promovierte sie mit einer Arbeit über "Die Gewerkschaftsbewegung unter Betonung der sozialpolitischen Situation" zum Dr. phil.

Wiener Handelskammer, Leitung des Schulreferats

Ab 1952 arbeitete sie in der Wiener Handelskammer. 1954 übernahm sie die Leitung des Schulreferats im neu geschaffenen Fonds der Wiener Kaufmannschaft. Diese Funktion behielt sie bis 1990 bei.

Ihr politischer Weg führte von der Hochschülerschaft zum Akademikerbund und in den Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbund (ÖAAB). Durch ihre Musiklehrerin Nora Hiltl, damals Wiener Gemeinderätin und Landesleiterin der Wiener ÖVP-Frauen, gelangte sie zur österreichischen Frauenbewegung, der Frauenorganisation der ÖVP.

1959 Geburt der Tochter, Angelobung als Abgeordnete im Wiener Landtag und Gemeinderat, stellvertretende Obfrau der ÖVP

1959 wurde sie Mutter einer Tochter. Wenige Tage nach der Geburt folgte ihre Angelobung als damals jüngste Abgeordnete im Wiener Landtag und Gemeinderat. Im Jahre 1970 wechselte sie in den Nationalrat. Sie engagierte sich als Nationalrätin neben Frauenfragen und Familienpolitik auch bei Umweltthemen.

1980 bis 1986 war sie stellvertretende Obfrau der ÖVP.

Marga Hubinek schreibt Geschichte

1986 schrieb sie als erste Frau im Nationalratspräsidium Geschichte. Sie übte das Amt der 2. NR-Präsidentin bis 1990 aus.

Sie lehnte das Angebot, 1987 das Familien- und Umweltministerium zu übernehmen, aus familiären und beruflichen Gründen ab. Ihr Mann war kurz davor gestorben.

Vordenkerin der Familien-, Frauen- und Umweltpolitik

Marga Hubinek gilt als Vordenkerin in der Familien-, Frauen- und Umweltpolitik. Sie agierte als Landesleiterin der Wiener Frauenbewegung (1970 bis 1988) und Vorsitzende des Österreichischen Familienbundes (1973 bis 1975).

Sie forderte bereits in den 1970er Jahren den wahlweisen Karenzurlaub für Mütter und Väter. 1971 verstörte sie einige ihrer Parteikolleginnen und Parteikollegen dadurch, dass sie die Aufhebung der Rezeptpflicht für empfängnisverhütende Pillen verlangte. Ihre Überzeugung war: "Die Meinung des Papstes über Empfängnisverhütung kann für uns nicht maßgebend sein" (Die Presse, 29.4.1971)

Zudem war es ihr ein großes Anliegen, die Diskriminierung der Frau am Arbeitsplatz abzubauen und die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern.

Zur Durchsetzung von Frauenanliegen suchte Hubinek auch parteiübergreifend die Zusammenarbeit, was als Folge ihrer internationalen Erfahrungen zum Ausdruck kommt.

Marga Hubinek war auch wesentlich am Zustandekommen der Familien- und Strafrechtsreform beteiligt. Sie war in diesem Kontext Familiensprecherin ihrer Partei.

Umweltpolitikerin, Atomkraftgegnerin

In umweltpolitischer Hinsicht sprach sie sich gegen die Nutzung der Kernkraft aus und setzte sich gegen den Bau des Donaukraftwerks Hainburg und für die Errichtung des Nationalparks ein. Als Gegnerin der Kernkraft verhielt sie sich gegen die ÖVP-Linie, als diese noch Zwentendorf befürwortete.

Wenn es darum ging, die Interessen der Arbeitnehmerinnen zu vertreten, geriet sie nicht selten mit dem Wirtschaftsbund und der Industriellenvereinigung in Konflikt.

Nachdem sie 1990 aus der Politik ausgeschieden war, engagierte sie sich weiterhin für umweltpolitische Themen, unter anderem als Vorsitzende des Stiftungsrates des World Wide Fund for Nature in den Jahren 1994 bis 2010.

Tod

Marga Hubinek starb am 3. September 2016 in Wien.

Nationalratspräsidentin Bures: Österreichisches Parlament trauert um Marga Hubinek

"Marga Hubinek war 20 Jahre lang Abgeordnete zum Nationalrat und hat als erste Frau im Nationalratspräsidium Geschichte geschrieben. Sie war zeitlebens eine demokratische Kämpferin für die Rechte und die Gleichstellung von Frauen. Im Interesse der Frauen, aber auch der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Landes überwand sie auch Parteigrenzen. Als engagierte Frauenpolitikerin hat Marga Hubinek einen festen Platz in unserem Gedächtnis"

ÖVP Frauen-Chefin Dorothea Schittenhelm über Marga Hubinek

"Marga Hubinek war, ist und wird für uns immer ein Vorbild bleiben. Vieles, für das sie gekämpft hat, war damals visionär und ist heute umgesetzt. Wir behalten Marga Hubinek in dankbarer Erinnerung."

Weblinks

Wir erinnern uns

Sie sind eingeladen, Ihre persönliche Erinnerung an
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